W.Stolzenburg

 

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Die Errichtung der Stationsgebäude

Schon im vorigen Jahrhundert wurde die Errichtung öffentlicher Gebäude ausgeschrieben. Der Unternehmer, der das günstigste Angebot einreichte, bekam den Zuschlag.

So ging auf die Ausschreibung für die Errichtung der Stationsgebäude Lokomotivschuppen, Nebengebäude und Wasserbehälter mehrere Kostenvoranschläge ein. Am günstigsten erschien dem Bauamt das Angebot des Eberstädter Bauunternehmer Dächert und Sohn, das nicht nur am preisgünstigsten kalkuliert hatte, sondern auch in der Lage war, alle anfallenden Arbeiten mit eigenen Arbeitskräften auszuführen. Die anderen Firmen hatten sich nur um Teilaufträge, wie Maurer- oder Dachdeckarbeiten, beworben. So wurden die meisten Gebäude entlang der Eisenbahnlinie Offenbach - Reinheim von der Firma Dächert und Sohn errichtet.

Die Stationsgebäude von Bieber bis Münster - es konnten alle Wünsche der Gemeinden hinsichtlich der Standorte berücksichtigt werden - sind nach den gleichen Bauplänen erstellt worden. Nur die Gemeinden Münster und Weiskirchen erhielten ein Gebäude, das dem Spiegelbild der anderen Stationen entsprach.

Das Empfangsgebäude in Obertshausen war das erste, das, zum Glück noch vor Baubeginn, Bauplanänderungen erfahren musste. Der hohe Grundwasserspiegel machte eine Veränderung des Grundrisses bzw. des Kellers notwendig.

Am 26. Mai 1895 reichte die Großherzogliche Baubehörde die Pläne für die Empfangsgebäude, Nebengebäude und Güterschuppen zur Prüfung an das Großherzogliche Ministerium der Finanzen, das die Baugenehmigung am 17. Juni 1985 erteilte.

Bei Beginn der Bauarbeiten wurden auch für die Empfangsgebäude in Weiskirchen, Ober-Roden, Eppertshausen und Münster Bauplanänderungen nach dem Obertshäuser Muster notwendig, denn auch in diesen Orten war der Grundwasserspiegel überdurchschnittlich hoch.

Die Station Dudenhofen

Auf die Ausschreibung der Station Dudenhofen gingen sechs Kostenvoranschläge ein. Wiederum war es die Eberstädter Firma Dächert und Sohn, die das günstigste Angebot einreichte und damit den Zuschlag erhielt.

Am 11. Oktober 1895 hinterlegte die Firma die vorgeschriebene Kaution von 1000 Mark, und die Bauarbeiten konnten beginnen. Die Gesamtkosten von 21785,24 Mark gliederten sich folgendermaßen auf:

für die Errichtung des Empfangsgebäudes wurden 15493,48 Mark, des Güterschuppens 2882,53 Mark und des Nebengebäudes 3409,23 Mark in Rechnung gestellt. Den Bahnsteig legte die Firma Bechthold aus Rothenbergen an. Den dazu notwendigen Kies lieferte das Steinheimer Fuhrunternehmen Bauer, die benötigten Pfähle wurden aus Offenbach gebracht. Zwei Stocklaternen zu 34,00 Mark auf zwei Laternenpfosten, die mit 30,00 Mark berechnet wurden, beleuchteten lange Jahre den Bahnsteig. Das Anpflanzen von Bäumen kostete 105,00 Mark.

Die Innenausstattung war spartanisch. Da die Firma Jungmann aus Darmstadt für 4,10 Mark Tapeten lieferte, können wir davon ausgehen, dass die unteren Räume tapeziert wurden. Lieferant für Tische und Stühle war die Dieburger Schreinerei Borb. Auch eine Pritsche für 5,20 Mark wurde aufgeschlagen. Die teuersten Ausstattungsgegenstände waren neben dem Kassenschrank (256,50 Mark, Fa. Deutsch, Darmstadt) und dem Fahrkartenschrank (261,00 Mark, Fa. Lotz, Wiesbaden) die aufgestellten Öfen der Offenbacher Firma Eichhorn. 33,00 Mark kostete der Regulator (Wanduhr). Eine Leiter, Vorhänge und die Wandschüssel vervollständigten die innere Ausstattung.

Auszug aus Werner Stolzenburgs "Zum Bau der Eisenbahnlinie Offenbach-Reinheim 1870-1896" aus dem Jahr 1979.

 

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Stand: 11. Januar 2002