22. Juli 2002 

Haltestelle Rollwald – ein Stück Bahngeschichte

Die Baumaßnahmen rund um die S-Bahn sind in vollem Gange. In ganz Rodgau verändert sich das Stadtbild, neue Wege eröffnen sich den Bürgerinnen und Bürger und so manches Mal wird Wehmut entstehen. So könnte es auch einigen Rollwäldern gehen, wenn jetzt die Haltestation Rollwald nach fast 50 Jahren  abgerissen wird. Diese Station hat eine ganz besondere Geschichte, die wie viele andere Anekdoten rund um die Rodgau-Bahn im Buch von Werner Stolzenburg, Manfred Resch und Udo Krieger „100 Jahre Rodgau-Bahn“ nachgelesen werden kann.  Als die Eisenbahnlinie Offenbach – Reinheim 1896 fertig gestellt und eingeweiht wurde, war Rollwald ein Gebiet auf freier Strecke zwischen Ober-Roden und Nieder-Roden. Es gab keinen Grund hier anzuhalten, auch dann nicht, als nach dem Krieg 1949 das Gefangenenlager der Amerikaner aufgegeben wurde und die Zivilbevölkerung in die Baracken und Beamtenhäuser einziehen konnte. In dieser Zeit waren die Bahnstationen Nieder-Roden oder Ober-Roden zu benutzen. Die Errichtung einer Haltestation in Rollwald war der Hartnäckigkeit des späteren Bürgermeisters Johann Philipp Weyland zu verdanken. Weyland musste nämlich von seinem Wohnort im Rollwald häufiger die Bahn benutzen, wenn er nach Offenbach wollte. Nach mündlichen Aussagen älterer Mitbürger konnten mit den Lokführern Vereinbarungen getroffen werden, nach Übergabe einer Zigarette einen Halt im Wäldchen zu erreichen. Sollte der Lokführer tatsächlich den vereinbarten Halt vergessen haben, blieb den Fahrgästen – unter anderem auch Johann Weyland – nichts anderes übrig, als die Notbremse zu ziehen: denn was vereinbart war, musste auch eingehalten werden. Natürlich war dann für die unberechtigte Benutzung der Notbremse schon einmal eine Strafe fällig, aber am Ende hat es doch genutzt. Nach Drängen auch auf politischer Ebene hat Rollwald seine Station erhalten. Seit 1953 stand neben den Gleisen nun eine Holzhütte, die den wartenden Fahrgästen als Wetterschutz diente. Die Holzhütte wurde durch einen Steinbau ersetzt, Bänke und ein Holzofen machten die Hütte sogar fast gemütlich. Eine Vereinbarung zwischen der damals selbständigen Gemeinde Nieder-Roden und der Bahn gab der Haltestation Rollwald einen offiziellen Charakter.

Jetzt wird dieses „geschichtsträchtige“ Gebäude abgerissen und durch eine moderne S-Bahn-Station ersetzt. Die Erinnerung an Zeiten, in denen man für eine Zigarette Vereinbarungen mit der Bahn treffen konnte, gehört damit endgültig der Vergangenheit an ...